Zur Einstimmung: Das grundlegende Dilemma einer jeden Wissensvermittlung

Platon hat in seinem Werk Protagoras in typischer Dialogform das einer jeden Wissensvermittlung zugrundeliegende Dilemma zwischen Lehrendem und Lernendem thematisiert:

Hippokrates bedrängt Sokrates, unbedingt dem Protagoras, einem weisen Gelehrten, vorgestellt zu werden, da er von diesem lernen möchte und er auch bereits sei, dafür ein Lehrgeld zu zahlen. In einem  Dialogform thematisiert Sokrates diese Frage grundlegend und stellt Hippokrates die Frage, um was selbst zu werden, er denn zu Protagoras gehen beabsichtige. Zum Zwecke einer erwebsmässigen Ausübung wäre dies möglich, aber nicht zum Zwecke der Bildung eines freien Menschen. Was die Allgemeinbildung angeht, kann der Lernende vorher nicht abschätzen, ob der Lehrende auch das vermittelt, was der Lernende beabsichtigt zu lernen, ist die erste Schlussfolgerung Platons.

Im Dialog mit Protagoras thematisiert Sokrates weitergehend die Situation des Lehrenden, der wiederum nicht weiss, was der Lernende eigentlich beabsichtigt zu lernen, da dieser ihm fremd ist. Seine zweite Schlussfolgerung.

Dieser Konflikt, der Lernende kann vorab nicht absehen, ob, das was er erlernen möchte auch tatsächlich vermittelt wird, während der Lehrende nicht abzuschätzen vermag, was der Lernende zu lernen beabsichtigt, stellt die grundlegende Dilemma-Situation einer jeden Wissensvermittlung dar. 

Niederschlag findet diese Dilemma-Situation in der konstruktivitischen Perspektive der Erwachsenenbildung während im Bereich des Lebenslangen Lernens diese Problematik bisher weniger Berücksichtigung fand.   

Lernen im 21. Jahrhundert

Neue Herausforderungen aufgrund von vollstaendig geaenderten Lehr-/Lernsituationen werden das 21. Jahrhundert praegen.

Training als Initiierung von individuellen Lernprozessen

Bei der Erstellung von Trainingskonzepten, Curricula und einzelnen Trainingssequenzen werden drei grundlegende Ansätze berücksichtigt:

1. Die Fokussierung auf Kompetenzen,

2. Die Berücksichtigung von unterschiedlichen Lernstilen und

3. ein didaktisches Design, dass abwechselnde Lernszenarien berücksichtigt.

In der nachfolgende Grafik, die ich gemeinsam mit meinem Kollegen Bernd Mayer entwickelt habe, ist mein Grundverständnis von Training als eine Initierung von Lernprozessen  dargestellt.

                                                                                                                                                                              ©  Meyer/Spätgens 2005

Lernen beinhaltet Denkprozesse

Individuelle Lernprozesse korrespondieren mit Denkprozessen , in denen auf Erfahrungen aufbauend (neue) Informationen angenommen werden, mit dem bisherigen Verständnis abgeglichen und sodann in einem logischen Denkprozess für eine Annahme reflektiert werden.

                                                                                                                                                                          ©  Spätgens 2005

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