Prolog "Philosophieren heisst sterben lernen"

Die Philosophie ist ein weites Feld und wird in verschiedene Bereiche unterteilt. Zugewendet werden soll sich hier der Moralphilosophie und insbesondere den Klassikern unter den Moralphilosophen. Zur Einstimmung ein Auszug aus dem Essay "Philosophieren heisst sterben lernen" von Michel de Montaigne:

"Cicero sagt, philosophieren sei nichts anderes, als sich auf den Tod vorzubereiten. Der Grund hierfür ist, dass Erkenntnissuche und Kontemplation unsere Seele gleichsam von uns wegziehn und sie ausserhalb des Körpers beschäftigen, was eine Einübung in den Tod darstellt, ja ihm bereits ähnelt - oder auch, dass alle Weisheit und alles Sinnen der Welt letzlich darauf hinauslaufen, uns die Überwindung der Furcht  vorm Sterben zu lehren.

In der Tat muss die Vernunft, wenn sie nicht ihren Spott mit uns treiben will, allein nach unserer Zufriedenheit trachten und ihr ganzes Bemühen folglich auf nichts anderes richten, als uns gut und fröhlich leben zu lassen, wie die Heilige Schrift sagt. Alle Meinungen der Welt stimmen darin überein, daß das Vergnügen unser Ziel sei (wenn sie auch unterschiedliche Wege vorschlagen); sonst würde man sie ja von vorneherein verwerfen, denn wer wäre willens, auf jemand zu hören, der es als Ziel ausgäbe, uns Missvergnügen und Ungemach zu bereiten?"

Balthasar Gracian (1601 -1658)

Einsicht haben oder den anhören, der sie hat. Ohne Verstand, eigenen oder erborgten, läßt sich’s nicht leben. Allein viele wissen nicht, daß sie nichts wissen, und andere glauben zu wissen, wissen aber nichts. Gebrechen des Kopfes sind unheilbar, und da die Unwissenden sich nicht kennen, suchen sie auch nicht, was ihnen abgeht. Manche würden weise sein, wenn sie es nicht zu sein glaubten. Daher kommt es, daß, obwohl die Orakel der Klugheit selten sind, diese dennoch unbeschäftigt leben, weil keiner sie um Rat fragt. Sich beraten schmälert nicht die Größe und zeugt nicht von Mangel eigener Fähigkeit, vielmehr ist sich gut beraten ein Beweis derselben. Man überlege mit der Vernunft, damit man nicht widerlegt werde vom unglücklichen Ausgang.

René Descartes (1506 - 1650)

"Das, was der Seele durch die Sinne zukommt bewegt sie viel stärker als das, was ihr durch die Vernunft vorgestellt wird". 
Diese Bemerkung, entnommen dem Traktat  "Die Leidenschaften der Seele" von 1649, weist auf eine weitere Diochotomie hin, nämlich derer zwischen Seele und Vernunft,.

Den heimlichen und unerkannten Philosphen unter uns ist diese Problematik sicherlich wegen einen Gedanken-Orkans bekannt. - Welche Probleme mögen nur religiöse Fundamentalisten haben!